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Kunststoffe und Polymerisation


Polymere sind Makromoleküle, die aus vielen identischen oder ähnlichen Baueinheiten – den Monomeren – aufgebaut sind. Die Herstellung von Polymeren aus Monomeren nennt man Polymerisation.

Radikalische Kettenpolymerisation

Die radikalische Polymerisation ist das technisch wichtigste Verfahren. Sie verläuft in drei Schritten:

1. Startreaktion

Ein Initiator (z. B. Dibenzoylperoxid) zerfällt in Radikale, die an ein Monomer addieren:

$$\ce{R-O-O-R ->[Wärme] 2R-O^{.}}$$$$\ce{R-O^{.} + H2C=CH2 -> R-O-CH2-CH2^{.}}$$

2. Kettenwachstum (Propagation)

Das Radikal addiert weitere Monomere. Die Kette wächst unter Erhalt des Radikals am Kettenende:

$$\ce{R-O-(CH2-CH2)_{n}^{.} + H2C=CH2 -> R-O-(CH2-CH2)_{n+1}^{.}}$$

3. Abbruchreaktion (Termination)

Zwei wachsende Ketten reagieren miteinander – entweder durch Rekombination oder Disproportionierung:

Rekombination:

$$\ce{P_{n}^{.} + P_{m}^{.} -> P_{n+m}}$$

Disproportionierung:

$$\ce{P_{n}^{.} + P_{m}^{.} -> P_{n} + P_{m}}$$

Technisch wichtige Polyolefine

KunststoffMonomerSummenformel des MonomersAnwendungen
PEEthen$C_2H_4$Folien, Verpackungen, Rohre
PPPropen$C_3H_6$Autoteile, Textilfasern
PSStyrol$C_8H_8$Verpackungen, Dämmstoffe
PVCVinylchlorid$C_2H_3Cl$Rohre, Fensterprofile, Kabel
PMMAMethylmethacrylat$C_5H_8O_2$Plexiglas®, Acrylglas

Polykondensation

Bei der Polykondensation reagieren Monomere unter Abspaltung kleiner Moleküle (meist Wasser) miteinander. Die Monomere tragen mindestens zwei funktionelle Gruppen.

Beispiel: Polyamid (Nylon-6,6)

Aus Hexamethylendiamin und Adipinsäure entsteht Nylon-6,6:

$$\ce{n H2N-(CH2)6-NH2 + n HOOC-(CH2)4-COOH ->}$$$$\ce{-> [-NH-(CH2)6-NH-CO-(CH2)4-CO-]_{n} + (2n-1) H2O}$$

Die Peptidbindung ($-CO-NH-$) ist identisch mit der Bindung in Proteinen.

Weitere Beispiele

PolymerMonomereAustrittsproduktVerwendung
PETTerephthalsäure + EthylenglykolWasserGetränkeflaschen, Textil
PolycarbonatBisphenol A + PhosgenHClBrillengläser, CDs
PolyamidDiamin + Dicarbonsäure oder AminocarbonsäureWasserTextilfasern, Zahnräder

Polyaddition

Die Polyaddition ähnelt der Polykondensation, jedoch erfolgt die Verknüpfung ohne Abspaltung eines Nebenprodukts. Ein wichtiges Beispiel sind Polyurethane.

Polyurethane

Durch Reaktion von Diisocyanaten mit Diolen entstehen Polyurethane:

$$\ce{n OCN-R-NCO + n HO-R'-OH -> [-NH-CO-O-R'-O-CO-NH-R-]_{n}}$$

Polyurethane werden als Hart- und Weichschäume, Lacke und Klebstoffe eingesetzt.

Copolymerisation

Werden zwei verschiedene Monomere gemeinsam polymerisiert, entstehen Copolymere mit maßgeschneiderten Eigenschaften:

  • ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol): Schlagzäher Thermoplast für Gehäuse
  • SBS (Styrol-Butadien-Styrol): Elastomer für Schuhsohlen
  • SAN (Styrol-Acrylnitril): Transparenter, kratzfester Kunststoff

Recycling und Umweltaspekte

Kunststoffe sind chemisch stabil und biologisch kaum abbaubar. Die Recyclingquoten steigen:

VerfahrenBeschreibung
WerkstofflichSortieren, Reinigen, Einschmelzen zu Granulat
RohstofflichPyrolyse oder Hydrierung zu Erdölersatzprodukten
EnergetischVerbrennung zur Strom- und Wärmegewinnung

Biologisch abbaubare Polymere wie PLA (Polymilchsäure) aus Maisstärke oder PHA (Polyhydroxyalkanoate) aus Bakterien gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Übungen

  1. Zeichnen Sie das Fragment der Polymerkette, das bei der radikalischen Polymerisation von Styrol entsteht (drei Monomereinheiten).
  2. Erklären Sie den Unterschied zwischen Kettenpolymerisation, Polykondensation und Polyaddition.
  3. Warum eignet sich PVC nicht für die Herstellung von Getränkeflaschen?
  4. Berechnen Sie die molare Masse eines Polyethylen-Makromoleküls mit dem Polymerisationsgrad $n = 5000$.